Vogeldrachen
 

von  Arno Haft 1955


 
 

Die Stoppelfelder rufen jung und alt
schreibt Arno Haft vor seinen Bauplan des Vogeldrachen und dieser Drachen ist ein typischer Drachen aus der Baureihe von Arno Haft.
Wir dürfen nicht vergessen das auch dieser Drachen kurz nach dem 2. Weltkrieg Krieg, das Material war knapp, gebaut wurde.
Es scheint mir doch sehr wichtig das die Beschreibung des Drachen nicht verändert wird, denn aus dieser Zeit sind nur wenige Baupläne vorhanden, wir können sie zwar verändern mit den heutigen Materialien bauen aber diese Drachen haben eine eigene Geschichte und diese gilt es zu bewahren.
 
 

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Der Vogeldrachen eignet sich für alle Kinder bis 80 Jahre.  Er hat eine Spannweite von 2,20 m und eine Länge von 1,50 m. Man kann ihn mit Papier bespannen; dann ist er so leicht, daß er auch bei geringem Wind schon fliegt.  Mit der dauerhafteren Stoffbespannung darf er etwa 650 g wiegen.  Er bringt es zu ganz erstaunlichen Steigleistungen, wenn man ihn mit einiger Sorgfalt baut.

Der Materialbedarf ist gering.
Man braucht:
2 Tonkinstäbe 13 mm ? 1,20 m
1 Tonkinstäbe 13 mm ? 1,50 m
1 Tonkinstäbe 10 mm ? 0,70m

2 Messingrohre, 1 mm Wandung 0,15 m
Durchmesser den Tonkinstäben angepaßt
Dünner Stoff, Baumwollsatin,
80 cm breit, rot 1,50 m
ebenso, blau 1,50 m

1 Schlauchband, Einfaßband, 6 cm breit 5,00 m
1 Wäscheband, 10 mm breit 4,00 m
4 kleine S-Haken
4 kleine Ringe
1 Stück Gliederkette 0,15 m
1 ausgezogene Mauerschnur 7,00 m

Alles Material ist handelsüblich und in einschlägigen Geschäften erhältlich.
 

Bauanleitung:

Die Flügel des Vogeldrachens haben eine leichte positive V-Stellung.  Sie wird ihnen durch die Biegung der Messingrohre gegeben, die die Tonkinstäbe des Gerüstes aufnehmen.  Man kann Messingrohr von der vorgeschriebenen Beschaffenheit knickfrei biegen, wenn man eine geeignete Füllmasse verwendet.  Man fertigt sich passende Holzstopfen für beide Rohröffnungen an, erhitzt eine ausreichende Menge Kolophonium bis zur Verflüssigung und füllt die heiße Masse ein.  Nach dem Erkalten kann das Rohr z. B. um einen Hammerstiel in einer gleichmäßigen Krümmung gebogen werden.
In die um 30° angewinkelten Öffnungen der Messingrohre, die entgratet werden müssen, werden die Tonkinstäbe der Flügel und des Schwanzes eingepaßt.  Den Mittelstab, dessen starkes Ende nach oben kommt, dreht man über einem leichten Gasfeuer so lange hin und her, bis er sich erwärmt und biegsam wird.  Man biegt ihn dann so, daß er oben und unten etwa 10 cm von der Geraden abweicht.
Der Bespannungsstoff soll gewaschen sein, damit er später nicht einläuft.  Man faltet eine Bahn in der Längsrichtung um ihre Mitte und zeichnet die Kontur der einen Hälfte der Bespannung mit Kreide auf.  Der Kopf des Drachens soll oben 30 cm breit sein.
Man mißt also von der Faltkante des doppelt liegenden Stoffes 15 cm nach außen und markiert den erhaltenen Punkt.  Dann werden 30 cm entlang der Faltkante gemessen, denn so lang soll der Kopf werden.  Am Halsansatz ist er schließlich 60 cm breit, man muß also rechtwinklig zur Faltkante 30 cm abtragen.
Weitere Maße sind: Flügeltiefe vom Ende des Kopfes bis zum Anfang des Schwanzes: 80 cm, Rumpfbreite am Flügelende: 30 cm, Rumpflänge: 1,35 m, Spannweite der Schwanzflosse: 35 cm.  Die auf der halben Stoffbahn eingetragenen Meßpunkte werden durch Linien miteinander verbunden.  Längs der Kontur steckt man die beiden Hälften der Stoffbahn mit Nadeln zusammen, dann wird zugeschnitten und umsäumt.
Der anders farbige Stoff für die Flügel wird in zwei gleichmäßige Hälften geteilt, die Rißseite näht man an die beiden Seiten des Rumpfes.  Die Webkanten bilden oben und unten den Abschluß.
Das Schlauchband wird etwas länger als nötig zugeschnitten und in der Längsrichtung zusammengenäht, so daß das Messingrohr bequem durchzustecken geht Es bleibt dann noch eine Kante für die Befestigung am Stoff.
Die Enden des Schlauches können, nachdem die Tonkinstäbe eingepaßt wurden, zugenäht werden.  Am Schlauch des Mittelstabes unten und an den beiden Querstäben seitlich wird, 2 cm vom Ende, ein Knopfloch angebracht, durch das man die Stäbe herausziehen kann.
Der Mittelschlauch wird vorn an der Faltkante des Rumpfes angenäht.  Unten soll er 15 cm über den Stoff hinausragen.
Der obere Querschlauch wird so angenäht, daß er, auf der Mittellinie gemessen, vom oberen Rand einen Abstand von 30 cm hat und zu den Flügelspitzen führt.
Der untere Querschlauch wird am Ende der Stoffbahn angebracht.  Beide Querschläuche werden von hinten an den Stoff genäht.
Das Kopfstück des Drachens wird schräg geschnitten, dann näht man ein Stück Mauerschnur ein.
Die Flügelenden werden vom Schlauchende der Spitze, nach unten, zum Schlauchende am Schwanz, schräg zugeschnitten.
In die obere Kante der Flügel wird eine Schnur eingesäumt, die an der Spitze am Schlauch befestigt wird.  Am oberen Ende der Schnur wird ein Ring angebracht und mit der Schnur vom Kopf verbunden.  So ist es möglich, die Schnur zu spannen.
An der Außenseite der Flügel wird Wäscheband angenäht, nachdem die Kante umsäumt wurde.  Das Wäscheband soll so lang sein, daß es durch einen Ring bis zur Spitze des Schwanzes reicht und von da wieder zurück bis zur Mitte der Flügelhälfte.
Beiderseits des Schlauchbandes am Schwanz werden in Schlaufen nach unten und oben zwei
S-Haken angenäht.  Das eine Ende der S-Haken wird zu einem Ring zusammengebogen.
An der Spitze des Mittelstabes wird Mauerschnur angebracht, die nach rechts und links in Gliederketten endet.  Die Gliederketten und die Ringe im Wäscheband werden in die S-Haken eingehängt.
Für die Bucht oder Haltebänder wird. in der Mitte zwischen dem oberen Querstab und der oberen Spitze am Mittelstab eine kräftige Schlaufe angebracht.  In der Mitte des Schwanzendes, am Mittelschlauch, desgleichen.  In die Schlaufen wird eine kräftige Mauerschnur eingeknotet, die so lang sein soll, daß sie seitlich zwei Handbreit über den Drachen reicht.  Beide Bänder können in einem Ring oder in Schlaufen enden.  Die obere Halteschnur soll mit dem Querstab parallel laufen.  Genau wild die Bucht erst beim Einfliegen eingestellt.
An den Enden der Schlauchbänder und an den Spitzen der Flügel und des Rumpfes kann etwas Stoff zur Verstärkung angebracht werden.  Bei größeren Drachen nimmt man dünnes Leder.



 

Anleitung zum Steigenlassen:

Wenn der Drachen zusammengelegt werden soll, werden die Stäbe durch die Knopflöcher Bespannung aus den Messingwinkeln gezogen.  Die Bespannung wird eingerollt.  Alles in eine kleine Hülle gesteckt, ergibt ein kleines Paket.
Wird der Drachen zusammengesteckt, muß der Stoff straff gespannt sein.  Die Spannung kann oben an beiden Ringen und unten mit den Ketten und Haken reguliert werden.  Wenn der Drachen aufgespannt ist, macht man einen Balanceversuch.  Bei Windstille soll er aus der Hand sanft zur Erde schweben, nicht vornüber stürzen oder nach hinten durchsacken.
Der Vogeldrachen wird aus der Hand gestartet.  Sollte er schlecht hochsteigen, so ist der Buchtknoten nach oben zu verschieben.  Steigt er schnell hoch, kreist oben und schwankt hin und her, um schließlich über Kopf zu gehen, muß der Buchtknoten nach unten versetzt werden.  Neigt er sich nach einer Seite, so muß man auf der Seite, wohin er fällt, unten am Schwanzende die Ketten kürzer hängen.  Es hat wenig Zweck, die Flügel durch die Ketten am Wäscheband zu verkürzen, diese sind lediglich dazu da, um den Drachen zu spannen.  Die Ketten müssen auf beiden Seiten gleich lang sein.  Sollten die Flächen zu locker sein, wird der Drachen seitlich ausscheren und unruhig stehen.  Wichtig ist, daß der Mittelstab den richtigen Bogen hat.  Man kann das ausprobieren, indem man den Drachen hochzieht, um ihn dann mit loser Schnur fallen zu lassen.  Ist er kopflastig, so sind die oberen Druckflächen zu klein, und man muß den Mittelstab ein wenig nachbiegen.  Will er zum Schwanzende abrutschen, muß der Mittelstab mehr gerade gebogen werden.  Die erforderliche Biegung des Mittelstabes hängt von der Stoffbespannung ab.  Ist er so gespannt, daß nirgends durch den Winddruck Säcke entstehen, so kann der Stab faßt gerade bleiben.  Wie gut der Drachen fliegt, kann man erst beurteilen, wenn er mindestens 200 m hoch steht.  Er liegt dann auf dein Wind und gibt nur wenig Zugkraft an Die Leine ab.