Der Roloplan
auf dem Tempelhoferfeld
 
 
 
Auch in Deutschland wurden Personenaufstiege mit Riesendrachen unternommen. So hat Paul Wächterin überVersuche berichtet, die 1913 mit einem 90 qm und einem 66 qm großen Roloplan angestellt wurden.
Wie Herr Wächter darüber näher mitteilte, hatten sich damals viele Anhänger des Drachensportes in einem
„ Verein für motorlosen Flugsport “ zusammengeschlossen. Insbesondere waren es die Altmeister des damaligen
Drachenbaues, Karl Weichert ( gest. 1937 ), und seine Mitarbeiter Wächter, Horstenke, Sachse, Merker u. a.,
die an dem Bau jener Riesendrachen beteiligt waren und auf dem Tempelhofer Felde Personenaufstiege
unternahmen.
Einen ersten Schritt zu gänzlich neuen Konstruktionsformen bildete ein zunächst als Spielzeug gedachter Roloplan.
Dieser dreiflächige Drachen wurde im Laufe der Zeit in seiner Größe bis auf 90 qm Fläche gesteigert. Dieser
Riesendrachen zog 1913 auf dem Tempelhofer Feld mit Leichtigkeit drei Personen, die in einer Gondel saßen, in
die Luft. Da aber das Einholen dieses Drachenungeheuers größte Schwierigkeiten bereitete, wurden weitere
Versuche eingestellt.
Später startet auf dem Flugfeld Berlin Tempelhof ein Roloplan mit 12 Meter Spannweite und insgesamt 70 qm
Stoff. Mit dem Drachen ließen sich Fluggäste in einer speziellen Drachengondel in die Höhe heben. Experimente
mit einem Flugdrachen (?) dem von Weichert und Herbert gebauten Roloplan, endeten bei einem Flugversuch auf
dem Tempelhofer Felde mit dem Tod eines Passagiers.
1930 wurde die Gefährdung von Flugzeugen durch Drachen immer größer.
 
So stand in der Berliner Zeitung:
In der letzten Zeit sind mehrfach Flugzeuge durch in der Nähe des Flug-hafens Tempelhof fliegende Drachen gefährdet worden. Es wird daher in Erinnerung gebracht, daß durch Polizeiverordnung vom 17. November 1930 das Steigenlassen von Drachen auf dem Flug-hafen und seiner Um-gebung, im Westen bis zur Wannseebahn, im Süden vom Bahnhof Steglitz über Albrecht-str bis zum Osten von der Köpenicker-Landstr bis Schlesische Straße und im Norden bis zum Tempelhofer Ufer verboten ist.
 
 
Beschreibung der Aufstiege mit einem Roloplan auf dem Tempelhofer Feld.
 
Der Abstieg läßt sich bei gleichmäßigen Windströmungen sehr einfach durchführen. Nachdem der Beobachter
hierzu das Zeichen gegeben hat, wird vom Erdboden aus das Hauptseil durch Untersetzung langsam aufgerollt. Ist
die Gondel mit dem Beobachter auf dem Erdboden angelangt,  so steht der Drachen mit noch 100 m Seil und
Notleine hoch. Man stellt ihn dann vom Erdboden aus mit der Notleine ganz flach, und er gleitet fallschirmartig zur
Erde.
 
Eine Möglichkeit des schnelleren Absteigens besteht darin, daß der Beobachter den Drachen schon in 300 m Höhe mit der Notleine flach stellt und ohne ein Einholen des Hauptseiles niedergleitet. Es steht dem jedoch ein Nachteil gegenüber. Der Beobachter muß um ein hartes Landen zu vermelden, kurz bevor er auf den Erdboden aufsetzt, noch einmal den Drachen durch Steilstellen abfangen. So kam es öfters vor, daß der Drachen unter vollem Druck wieder hoch schoß wobei naturgemäß übergroße Beanspruchungen des Hauptseiles auftraten.Deshalb ist diese Methode weniger empfehlenswert.Bei böigem Wetter wird vorteilhaft eine andere Art angewendet. Sie besteht darin, daß am Ende des Seiles eine große Gleitrolle auf dasselbe gesetzt wird. Von dieser Gleitrolle gehen etwa 12 starke Haltetaue aus, welche von eben so viel Personen ergriffen werden, die langsam auf den Drachen zugehen. Er wird auf diese Art langsam und sicher zum Boden gedrückt. Durch diese Art des Einholens ist der Beobachter vor einem harten Aufsetzen geschützt. Das die Mannschaft auf das Kommando ihres Anführers gut zu achten hat, ist wohl selbstverständlich.
Mit gutem Grund ist die Gondel ein gutes Stück vom Drachen entfernt angebracht. Würde die Gondel direkt an
den Drachen befestigt sein. so müßte derselbe sofort die volle Last heben. Es wäre deshalb unmöglich bei einem
Wind von 9 m/sec. zu starten. Fernerhin steht der Drachen dicht über der Erde niemals ruhig. Die Folge davon
wäre ein starkes Pendeln des Drachens. welches sich auf die Gondel sofort übertragen würde. Rechnet man jetzt
noch mit einem plötzlichen Aussetzen des Windes, so können für den Beobachter sehr unangenehme Situationen
erwachsen. Diese Nachtelle sind durch die schon geschilderte Abstandsaufhängung umgangen. Der Hauptgrund
dieser Aufhängung ist jedoch darin zu erblicken, daß der Drachen bei Seitenböen sich leichter ausgleichen kann
und so ein äußerst stabiler und ruhiger Flug gesichert ist.
So wurden mit dem 20 m2 Drachen verschiedene Aufstiege unternommen die alle glatt verliefen.
Es stellte sich jedoch bald heraus, daß die erforderliche Windstärke nicht so oft vorhanden war, wie zuerst angenommen wurde. Bei gänzlichem Aussetzen des Windes war auch der Flächeninhalt von 20 m2 reichlich klein, wodurch die Fallgeschwindigkeit noch ziemlich hoch ausfiel. Dieses machte sich bei größeren Höhen durch das schnell anwachsende Seilgewicht recht unangenehm bemerkbar. Um eventuell auch zwei Personen zu heben und vor allen Dingen eine möglichst geringe Fallgeschwindigkeit zu haben, wurde ein neuer, noch größerer Drachen entworfen.
Da sich der 20 m2 Typ in der Festigkeit sehr gut bewährte und irgendwelche Brüche fast gar nicht vorkamen,
entstand das Projekt eines Drachens von 12 m Spannweite und Höhe. Dieser gigantische Drachen war ein Jahr
später fertiggestellt. Er entsprach ganz den gehegten Erwartungen und wies vorzügliche Flugeigenschaften auf.
Der Start dieses Drachens ließ sich genau so einwandfrei wie beim 6 m Typ mittel -, Notleine ohne Schwierigkeiten durchfahren. Bei mittleren Windstärken wurde in erster Linie eine sehr große Tragfähigkeit erreicht.
 Eine der folgenden Abbildung zeigt die Drachengondel mit einer Person besetzt. vollständig freischwebend. In zweiter Linie waren durch den genügend großen Flächeninhalt überharte Landungen des Beobachters ausgeschaltet. Bei plötzlichem Aussetzen des Windes wurde stets ein langsames Abwärtssinken erzielt. In dritter Linie endlich war der Apparat in zusammengelegtem Zustande nicht größer als der 6 m Typ, also ein Paket von
3 m Länge.
 
       

Aus den Versuchen können also folgende Schlüsse gezogen werden:
Für die Beobachtung auf See, d. h. Marine, kommt am vorteilhaftesten der aus mehreren
mittelgroßen Drachen gebildete „Drachenzug“ in Anwendung.
Der Grund dafür ist das engbegrenzte zur Verfügung stehende Deck. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ergibt
sich jedoch daraus, daß bei Windstille das Schiff jederzeit durch schnelles Fahren einen relativen Wind schaffen
kann. Es ist somit eine fast gänzliche Unabhängigkeit vom Winde erreicht. Der gegenüberstehende Nachteil die
bereits geschilderte komplizierte und zeitraubende Aufstiegstechnik. Für die Beobachtung auf dem Lande. d. h.
Armee, wird am vorteilhaftesten der „einzelne große Drachen“ gewählt.
Die Gründe dafür sind stets genügender Platz zur Montage und zum Aufstieg einfache Handhabung sowie
Aufstiegstechnik.