Was ist schon mit
Steuerbaren Drachen und Lenkdrachen
unternommen worden.





1604
Schrieb der Helmstedter Gelehrte Magnus Pegel in seinem Buche (Schatzkästlein auserwählter Dinge):
Außer dem gefesselten sogenannten fliegenden Drachen sind unter meinen Erfindungen auch besondere Arten eines auf allen Seiten freien Luftschiffes und dessen beliebiger Steuerung nach der Seite, nach oben und nach unten.
Mehr wissen wir von dieser " ersten Flugmaschine " des 17. Jahrhunderts leider nicht.


1789
Der Übersetzer Desrobinson, der Schriftsteller Campe, erzählt, daß er 1789 auf einer Reise nach Paris in Heidelberg einen Mann gesehen, der vom Schloßberg herab mit künstlichen Flügeln fliegen wollte. Dieser hatte sich aus leichtem Holz Flügel angefertigt und sie mit einem Bindfadennetz überspannt. Die Vogelfedern wurden ersetzt durch eine Unzahl kleiner Stückchen Pergamentpapier und in das Netz eingeknüpft. Der Flugversuch mißglückte, und der Erfinder wurde mit zerbrochenen Rippen aufgehoben.
Ein ähnliches Experiment vollführte wenige Jahre später ein Mann namens Calois im Garten Morbeouf, dem auch viele Men-schenmassen zusahen. An seinen Schultern hatte er künstliche Flügel befestigt, die durch Bewegung der Hände und Füße in Tätigkeit gesetzt wurden. Wie die meisten seiner Vorgänger wollte auch er von einer hohen Säule abfliegen und vermittels eines fächerähnlichen Schwanzsteuers sogar eine gewollte Flugrichtung einhalten. Sein Flug glich einem schnellen Absturz, doch hatte er das Glück, sich nur leicht verletzt aus den Trümmern seines Fluggeräts zu befreien.
Das schaulustige Publikum erhielt sein Eintrittsgeld zurück, Calois soll später nach Amerika ausgewandert sein, um den Hänseleien seiner Landsleute aus dem Wege zu gehen.


1825
Drei Reisende fuhren von Bristol nach London auf einem leichten vierrädrigen, mit zwei Drachen bespannten Wagen. Der Hauptdrache hatte 20 Fuß Höhe und war mit Musselin und farbigem Papier überzogen. Er schwebte in einer Höhe von 160 bis 170 Fuß, über ihm der kleinere als Steuer dienende Drachen, der geleitet werden konnte, so daß er sich über im Wege stehende Türme, Bäume und dergleichen wegführen ließ. Als seltsamster ja komischer Bestandteil des ganzen Fahrzeuges erschien dem Zeitgenossen ein kleiner Verschlag, der hinten angebracht war und dessen Bestimmung es war, einem Pony mit dazugehörigem Futter aufzunehmen, für den Fall, daß der Wind unterwegs aussetzen und der Wagen zum Stillstand kommen sollte. Fürst Pückler der in den Jahren 1826 - 28 England bereiste legte seine Eindrücke in seinen Briefen nieder. Er schildert seine Empfindungen der Fahrt als sehr angenehm, da man über die kleinsten Unebenheiten des Bodens, wie darübergehoben hinweggleitet. Er fügte hinzu, daß der Erfinder den Vorschlag macht,
die afrikanischen Wüsten mit seinem Fahrzeug zu bereisen, wobei er auf die in jenen Gegenden regelmäßig wehenden Passatwinden rechnet. Zu einer dauernden Einführung gelangte Pococks Drachenwagen nicht. Hierzu war die Konstruktion zu unvollkommen.


1856
Schreibt der Boston Observer unter dem Titel :
Das Drachenflieger - Floß Boston, 14. März 1856
Die Tollkühnheit von Mr. David Tayler ist hier im Augenblick das große Gespräch des Tages. Mr. Tayler ist überzeugt, daß er nicht nur eine neue Methode des Fliegens erfunden, sondern zugleich einen Weg entdeckt habe, um die Entfernung zwischen Europa und Amerika auf ein Mindestmaß herabzudrücken.
Und zwar soll das vermittels seines Dracheflieger Floßes möglich sein. Diese Erfindung beruht im Prinzip auf einem riesigen Luftdrachen, der an einem Floß im Wasser befestigt ist, das gleichzeitig, als Bremse wie als Steuer dienen soll. Halbwegs zwischen Drachen und Floß ist die große Gondel angebracht in der bequem bis zu 10 Menschen sitzen können, die sogar für die lange Luftreise über den Ozean alle möglichen Komfort bei sich haben werden.
Mr. Tayler ist der Ansicht, auf diese Weise die Reise über den Ozean in rund 5 Tagen zurücklegen zu können, so daß eine völlig neue Entwicklung des fern Reisens vor der Tür steht. Man ist in unserer Stadt außerordentlich neugierig, wie das Experiment ausgehen wird.
Allerdings gibt es auch Stimmen, und sogar viele, die nicht an einen Erfolg glauben. Der " Boston - Observer " schrieb kürzlich sehr deutlich, die einzige Möglichkeit wäre, Mr. Tayler in eine Irrenanstalt zu sperren, da er ohne Zweifel verrückt sei und durch seine tolle Idee nur das Leben seiner Passagiere aufs Spiel setze.
Der " Boston - Observer " sollte recht behalten. Es wurde ein fürchterlicher Reinfall, und um ein Haar wäre der Erfinder mitsamt sieben Passagieren, die wohl nicht weniger närrisch waren wie er, ertrunken, dasein " Drachen " schon nach einer halben Minute abstürzte.
Doch konnten noch alle gerettet werden. Das Seltsamste an dieser ganzen Angelegenheit war aber, daß das alles der Popularität von Tayler keinen Abbruch tat. Noch ein ganzes Jahr galt er in Boston als Held des Tages.


1875
Entstand ein Drachen mit gewölbten Flächen.
Gustav Lilienthal erzählt über den Start dieses Modells:
Der Drachen wurde von drei Personen an den Schnüren gehalten, und zwar hielt eine Person zwei Schnüre, mit
denen die vordere Tragrute und der Schwanz befestigt waren, während jede der anderen Personen die Schnur, die an je
einem Flügel befestigt war, hielt.
Der schwebende Drachen konnte auf diese Weise nach seiner Längs und Querachse beliebig gesteuert werden.
Von diesem Versuch, fügte Otto hinzu :
" Sind wir heimgekehrt mit der Überzeugung, daß der Segelflug nicht bloß für Vögel da ist, sondern daß wenigstens die Möglichkeit vorhanden ist, daß auch der Mensch diese Art des Fluges hervorrufen kann."


1894
Entwickelte der Amerikaner J. Woodbridge Davis einen steuerbaren Drachen und vertrat dabei die Theorie im Fall
eines Schiffbruches eine Rettungsleine zum Ufer zu transportieren.


1894
Der erste Nachweis einer Zwei Leinen Steuerung für seitliche Bewegungen findet sich bei J.Woodbridge Davis, der einen sternförmigen
Drachen für Lebensrettungsmanöver steuerte.


1897
War es der Amerikaner Charles Lamson der als erster Mensch in einem Drachen flog, d.h. weder in einem Korb oder an der Drachenleine, noch in einem Hanggleiter. Er konnte über die bewegliche hintere Zelle den Anstellwinkel regulieren und den Drachen durch Gewichtsverlagerung nach rechts oder links steuern.


1948
War es soweit.
Der Flexi-Kite" wurde zum Patent angemeldet, das dann 1951 auch genehmigt wurde. Mit einer Spannweite von 38 cm und einer Kiellänge von 56 cm war dies für heutige Verhältnisse ein ziemlich kleiner Drachen. Das Segel war quadratisch und wurde von einer sieben schenkligen Waage in Form gehalten.
Eine optionale Versteifung mit Stäben, wie sie heute bei Hängegleitern und Delta-Drachen üblich ist wurde schon damals in der Patentschrift angegeben. Das war aber erst der Anfang.
Zunächst richtete Rogallo sich einen privaten Windkanal ein, indem er in seinem Haus einen Ventilator von fast einem Meter Durchmesser in einem Flur installierte. So konnte er Wetter - undWindunabhängig an der Vervollkommnung seines Drachen arbeiten. Anfangs brauchten seine Flexi-Kites noch Schwänze zur Flugstabilisierung in Form von Windsäcken (meistens die Drachentüte), spätere Entwicklungen benötigten danach nur noch bei stärkeren Winden einen Schwanz.
Auch die Anzahl der Waageleinen verringerte sich. Hatte Rogallos erster Flexi-Kite noch achtundzwanzig (28) Waageleinen, verringerten sich diese im Laufe der Zeit erst auf sieben, sechs, dann auf vier.
So wurden die Flexi-Kites immer leichter und effizienter und dabei gleichzeitig fast unzerstörbar. Jetzt wurden auch andere Firmen auf das Rogallo - Prinzip aufmerksam.
Zwischenzeitlich war auch die Rüstungsindustrie hellhörig geworden.
Zwei amerikanische Luftfahrtfirmen, Ryan und North American die im Auftrag der NASA an Gleitern und steuerbaren Fallschirmen für die
Rückfahrung von ausgebrannten Raketenmotoren arbeiteten übenahmen Rogallos Entwickungen.
1961 entstand dann u. a. der ,, Flying Jeep ", ein bemannter Gleiter mit Motorantrieb, der Lasten bis zu einer halben Tonne transportieren konnte.


1975
Peter Powell stellt seinen Lenkdrachen vor.( V-Form 117 cm Spannweite 122 cm Länge.


1982
Vom 21. bis 29.8.1982 erreicht Edmonds Community College in Long Beach, Washington (USA),den längsten belegten Drachenflug. Er dauerte 180 Stunden 17 Minuten.


1984
Am 23.9.1984 erfaßte eine Windboe den Drachen von G. William Tyrell jr. in Ocean City, Maryland (USA), der Auftrieb betrug: 330,21 kg


1988
Um 15.00 h am 17.6.1988 ließen sich Reenhard Gerdes und Ulli Foken von drei Flexifoils (Airkiss) mit je 2,80 m Spannweite 10,3 Km am Strand von Fano nur in Turnschuhen stehend entlang ziehen.


1989
Pete Di Giacomo erreichte am 22.9.1989 mit seinem Lenkdrachen in Ocean City,Maryland (USA) eine Geschwindigkeit von 193 km/h.


1990
Wurde am 12.Juli 139 Lenkdrachen (Ace) an einer Kette auf Borkum von elf Drachenfreunden aus dem gesamten Bundesgebiet gestartet und 30 Minuten in der Luft gehalten.


1991
Ray Bethell (61 Jahre) aus Vancouver (Kanada) führte einen Simultanflug mehrerer Lenkdrachengespannen über 4 Stunden 39 Minuten durch.


1992
Führte Ray Bethell erneut einen Simultanflug mit mehrerer Lenkdrachengespannen über 5 Stunden 40 Minuten durch.


1993
Flog Ray Bethell am 29. August 8 Stunden und 42 Minuten drei Lenkdrachen simultan und stellte damit einen neuen Weltrekord auf.

Wurde in den USA ein neuer Weltrekord mit den meisten Loopings eines Lenkdrachens in eine Richtung aufgestellt. Roger Chewning benutzte " Premium Braided Spectra " und flog damit 330 Turns. Die Regel besagt daß er ebenso gründlich wieder zurückfliegen.


1994
führte Ray Bethell erneut einen Simultanflug mehrerer Lenkdrachengespannen über 12 Stunden 12 Minuten durch.


1995
Da sich viele Kurgäste und Urlauber über die Drachenflieger beklagen wird das Lenkdrachenfliegen und Fahrverbote für Buggys an vielen Stränden an der Nord und Ostsseküste von den Kurverwaltungen verboten

Am 9.8.1995 überbieten Alf und Erich Lanfermann mit einem Gespann von 8 Lenkdrachen (Vektor) den bestehenden Rekord um 1 Drachen.

Der Holländer Fons Weenink flog am 9.12.1995 mit einem Lenkdrachen (Nikos Megalight) 2 Stunden 33 Minuten und 35 Sekunden in einer Halle.

Simon Dann, James Robertshaw und Jonathan Harris aus England flogen über 4 Stunden 44 Minuten und 44 Sekunden einen vierleinigen Revolution in einer Halle.

Im Rahmen der Ausstellung von „ Avantgarde Drachen" in dem Maschinenhaus der Zeche Zollern II/IV in Dortmund flog Carsten Vieth am 5.3.1995 ohne Unterbrechung 1234 Runden 360er Umdrehungen mit seinem Mini-Master. Dabei wurden diverse Flugmanöver vorgeführt. (Video im Archiv vorhanden)


1996
Am 24.3.1996 flog Greg Eynon aus England 3 Stunden und 7 Sekunden einen Zweileiner ohne Unterbrechung und Bodenberührung in einer Halle.

Am 21.8.1996 flog Ray Bethell drei Lenkdrachen gleichzeitig aus einem Cabriolet heraus. Das ganze fand auf einer Hauptstraße von Long Beach statt und diente dazu, die Weltmeisterschaften bekannt zu machen. Ray flog während der Fahrt mit den Drachen auch Tricks.

Am 24.3.1996 flog Peter Taylor aus England zwei Zweileiner 18 Minuten und 1 Sekunde ebenfalls ohne Unterbrechung und Bodenberührung in einer Halle.

Am 24. 3. 96 flogen abwechselnd Greg Eynon, Peter Taylor, Somon Dann, James Medelin und Steve Wooley aus England gemeinsam (Griffwechsel im Flug) den zweileinigen Diva 3 Stunden 33 Minuten und 33 Sekunden in einer Halle.1996 Der Engländer Rick Wallington flog einen Black Hole Star Sister 5 Stunden 42 Minuten und 59 Sekunden in einer Halle.