Russische Drachen in der Marine


Der Drachen, das uralte beliebte Kinderspielzeug, ist schon seit längerer Zeit auch in den Dienst der Wissenschaft gestellt worden. Mit allen möglichen selbsttätigen Apparaten und Instrumenten versehen, dient er - vornehmlich in den neuerdings vervollkommneten Kastenform - den Meteorologen zu Beobachtungen in hohen Luftschichten, die ihnen sonst unerreichbar wären. Nunmehr soll er auch im Kriegswesen Verwendung finden. Das die Luftschiffer mit dem Problem der Ausnutzung des Drachens zu Hebezwecken sich beschäftigten, ist bekannt. In Amerika wurden die ersten derartigen Versuche auch sogar mit Menschen gemacht. Sehr bezeichnender Weise war es dort eine Frau, die zum ersten Male eine derartige Luftreise unternahm, freilich nur bis zu verhältnismäßig geringer Höhe. Auch in Rußland hat man sich diesem Problem zugewandt; insbesondere will man es im Kundschafterdienst ausnutzen. Man ist dort schon soweit gekommen, einen Mann mit einem Fesseldrachen mehrere hundert Fuß zu heben und ihn längere Zeit in der Luft schweben zu lassen. Er steht dabei in einem Korb, der ihm bis zum Brustbein reicht.

Durch Signalflaggen macht er sich den unten gebliebenen Kameraden und Vorgesetzten verständlich. Auch photographische Aufnahmen von feindlichen Lagerplätzen und Befestigungen lassen sich so bewerkstelligen.

Da der Drachen viel billiger als ein Ballon und dabei gegen Winde eine größere Widerstandskraft besitzt, hat er im Armee- und Marinewesen eine große Zukunft. In diesem Herbst sind in der russischen Flotte, wie die Petersburger Zeitung mitteilt, sehr glückliche Versuche damit angestellt worden. Besonders bei den Minenkuttern und Torpedobooten werden die Drachen im Kundschafterdienst von großer Bedeutung sein.