Wie baue ich mir einen Drachenphoto.

 

 

Sicherlich ist es eine große Herausforderung an jeden Bastler
diesen Drachenphoto - Apparat nachzubauen,
es wird sicherlich nicht einfach sein nach über 80 Jahren die entsprechen Materialien zu erhalten.


Wie baue ich mir einen Drachenphoto.

Aus:
Fürs kleine Volk 
Beilage zur Wochenschrift
" Fürs Haus" 1916

Mit diesem photographischen Apparat kann man aus der Vogelschau Aufnahmen machen.

Selbstverständlich kann man ihn auch an jeden Drachen hängen, der groß genug ist,  um ihn zu tragen.
Zuerst besorgen wir uns eine Linse, die den Brenn-punkt von höchstens 7 Zentimeter hat.
Darauf schneiden wir mit der Laubsäge 5 Brettchen aus. Zwei davon 4, 5 x 7 Zentimeter groß,
eins 4, 5 x 6 Zentimeter, die übrigen Stücke 6 x 7, und leimen sie so zusammen, daß ein Kasten von 4, 5 Zentimeter Breite, 6 Zentimeter Tiefe und 7 Zentimeter Länge (gleich der Brennweite der Linse) entsteht (Fig. 1).


Figur 1 und 2

Die eine kleine Seite bleibt offen. Nun bauen wir den Deckel dazu.
Wie und Fig. 1 zeigt, ist es ein Schiebedeckel, der auf der Figur halb herausgezogen ist. Die photographische Platte wird später eingelegt, indem man den Deckel herauszieht, die Platte mit der Schichtseite nach außen hineinlegt, und den Deckel über den vorderen Kasten schiebt.
Dadurch drückt die Seite a die Platte am Rande gegen b, und wenn der Deckel gut gemacht ist, kann die Platte nicht hin und her rutschen. Wir können natürlich nur immer eine Platte in den Apparat legen, dies hat aber den Vorteil, daß der Apparat an Gewicht leichter, und nicht schwer zu bauen ist. In der vorderen Seite nun schneiden wir genau
in der Mitte ein rundes Loch, und kleben die Linse mit Leim und einen runden Streifen von schwarzem Papier von
innen fest. Haben wir nun alles genau gemacht, so müssen wir den Kasten mit mattem schwarzem Lack drei bis
viermal lackieren, damit die Ritzen schließen und kein Licht hineinlassen. Während der Apparat trocknet,
kommt der schwierigste Teil der Arbeit. Es muß ein Verschluß gebaut werden, der sich von selbst in der Höhe auslöst.


Figur 3


Natürlich muß es ein Momentverschluß sein. Wir sägen uns zuerst einen rechteckigen Rahmen aus Laugsägeholz aus (Fig. 2), dann ein viereckiges Stück Holz das gerade zwischen die den beiden Leisten b in den Rahmen hin und her laufen kann. Ist dies fertig, reiben wir die Seiten mit Sandpapier glatt. Nun müssen wir in das kleine Brett ein rundes Loch schneiden, genau so groß, und in der selben Höhe wie das Loch in dem der Apparat ( Fig. 2). Die kleine Leiste c auf der Figur 2 ist nur dazu da, damit das Brett nicht herausfallen kann.
Nun wird an der unteren Seite des Rahmens an den beiden Ecken ein dünner Paketgummi an kleinen Nägeln befestigt, und mit dem Verschlußbrettchen verbunden, und damit ist der Verschluß fertig. Wir spannen den Verschluß, indem wir das Brettchen über die Öffnung des Apparates hinwegziehen und es oben befestigen. Lassen wir los, so fährt das Brett über die Öffnung des Apparates hin, das eine Loch läuft über das andere, öffnet der Verschluß und schließt ihn sofort wieder, und damit ist ein Zeitraum von ungefähr 1/25 Sekunde verflossen. Fig. 2  zeigt uns, wie der Apparat gespannt ist, und wie wir den Verschluß an den Apparatleimen und mit kleinen Nägeln festnageln müssen.
Ist diese Arbeit ebenfalls getan, so ist der eigentliche Apparat fertig.
Zum Schluß müssen wir den Behälter herstellen, in den wir den Apparat hineinsetzen.
Wir schneiden uns aus Laubsägeholz zwei Halbkreise aus, und leimen die Figur 3 zusammen. Dabei sind die Leisten
a dazu da, um den Behälter fester zu machen. Dann setzen wir den Apparat so hinein, wie Figur 3 zeigt.
Haben wir dies auch fertig, so stellen wir uns aus Blech Figur 4 her. Dies ist nämlich ein Halter für ein Stück Lunte, wie sie jetzt auch zu  Feuerzeugen gebraucht wird. Am unteren Teil löten wir einen Nagel an, über den die Lunte gesteckt wird.
Diesen Halter nageln wir auf eine Querleiste a unseres Behälters. (Fig. 3). Nun versuchen wir erst einmal den
Verschluß. Wir spannen ihn, und befestigen an einem kleinen Nagel am Verschluß (Fig. 2) ein Stück Zwirn,
das wir um den Nagel des Luntenhalters wickeln, darauf stecken wir ein Stück Lunte über den Nagel und klemmen es mit den beiden Klammern c fest. Zünden wir nun die Lunte an, so brennt sie langsam bis zu dem Zwirnfaden ab,
durchbrennt den Faden und das Verschlußbrettchen, das nun nicht mehr festgehalten wird, wird durch den Gummi
über das Loch des Apparates gezogen, und die Aufnahme ist nun gemacht. Jetzt wird der Apparat vermittels des
Ringes (Fig. 3) an den Drachen befestigt, und nachdem wir den Verschluß gespannt, und ein genügendes Stück
Lunte angebracht haben, in die Höhe gelassen.
Ja größer die Lunte ist, um so höher kann der Drachen steigen, um die Aufnahme zu machen.
Nachdem die Aufnahme gemacht ist, zieht man den Drachen ein und kann zu Hause in der Dunkelkammer die Platte entwickeln. Zuletzt möchte ich noch sagen, daß die Plattengröße 4, 5 x 6 ist, und daß man gerade dieses Format überall erhalten kann.