Valentin Oesterle

Die Geschichte meines Buches.



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Wesen, Bau und Verwendungszweck von Fesselflugzeugen

Im Jahre wurde durch den Deutschen Luftfahrtverband ein Drachenwettbewerb ausgeschrieben, um eine Weiterentwicklung des Baues von Hochleistungsdrachen anzuregen, Bei diesem Wettbewerb wurde der größte Wert auf die Schaffung neuer Drachentypen gelegt.  Die erzielten Leistungen entsprachen aber nicht den gestellten Forderungen, weil die theoretischen Unterlagen, die wir bis jetzt über Drachen besitzen nicht ausreichen und zum Teil irreführend sind.  Auf Veranlassung eines Bekannten habe ich mich an diesem Wettbewerb nicht beteiligt um die Ergebnissee abzuwarten.
Anläßlich einer Urlaubsreise nach Berlin im Jahre 1930 benutzte ich diese Gelegenheit, um in der Drachensache im Verbandshaus den D.L.V. vorzusprechen.  Der Geschäftsführer des Segelflugausschusses Herr Hans Helbig machte mir den Vorwurf, warum ich mich nicht schon früher gemeldet habe und erklärte mir im Vertrauen, welche Bedeutung der Drache im Dienst der Landesverteidigung hat. Nachdem ich Fotos und Handskizzen von einen Drachen vorlegte, wurde ich sofort aufgefordert Baupläne von einzelner, Typen und meine Erfahrungen in Form eines Büchleins herauszugeben. Diese Aufforderung wurde durch Handschlag „Ein Mann, ein Wort" bekräftigt.
Es wurde mir nahegelegt einen erfahrenen Ingenieur zur Mitarbeit hinzuzuziehen. Herr Ing.  Oscar Schmidt hat sich dazu bereit erklärt, der insbesondere die beiden Baupläne anfertigte.
Im November gleichen Jahres wurde von Berlin angefragt, wie weit meine Arbeit ist und an mein gegebenes Versprechen erinnert. Im Januar suchte mich Herr Helbig in Offenburg auf um mich persönlich zu erkundigen, dabei wurde ich nochmals auf die Bedeutung der Sache in militärischer Hinsicht aufmerksam gemacht,
Im April 1931 sandte ich meine Arbeit an den D.L.V, in Berlin.  Herr Helbig übergab diese dem Verlag Volkmann Berlin zwecks Verlag Übernahme.  Der Verlag unterbreitete mir ein Angebot und bat um sofortige Zusage.
Die Arbeit soll in 2 Teile herausgebracht worden.  Ferner soll die Auflage statt 4000 Stück zu je 5000 erhöht worden.  Postwendend gab ich meine Zustimmung.  Die endgültige Übernahme wurde aber von einer Prüfung abhängig gemacht.  Nachdem der erste Kritiker sein Urteil abgegeben hat, des nicht befriedigend ausfiel.,  übergab man die Arbeit einem Anderen.  Dieser aber fand keine Zeit.  Als nach Monaten keine Antwort kam, wurde ich ungeduldig, denn in der Zwischenzeit hatte ich des Duplikat an einen auswärtigen Mathematiker und Physiker zur Prüfung gegeben, der die Richtigkeit der Angaben bestätigte.  Nun drängte ich auf Entscheidung in Berlin und drohte mit Rückgabe meiner Arbeit.  Daraufhin übergab man nach einem halben Jahr die Arbeit Herrn Horst Winkler (Modellbau Sachverständiger) zur Prüfung. Sein Urteil, des er schriftlich niederlegte wurde mir zugesandt.
Winkler erklärte mir mehrere Angaben für unrichtig, Daraufhin nahm ich Stellung und widerlegte seine Ansichten.  Die Richtigkeit meiner Angaben ließ ich durch eigenhändige Unterschrift von zwei Ingenieuren bestätigen.
Damit gab sich der Verlag nicht zufrieden.  Er übergab des Manuskript Herrn Dipl. Ing. Göpferich (gleichfalls ein Autor in seinem Verlag) zur Prüfung.  Dieser äußerte sich sehr abfällig über meine Arbeit und erklärte sich bereit, diese zurecht zu Stutzen.  Nun war meine Geduld zu Ende.  Ich verlangte meine Arbeit wieder zurück.
Es erfolgte die Rücksendung des Manuskriptes mit der Aufforderung einer Neubearbeitung, wobei der theoretische Teil in Wegfall kommen soll.  Ferner wurde bemerkt, daß nur der Verlag Volkmann der geeignete Verlag sei.
Die Rückgabe der Baupläne erfolgte erst nach 2 Jahren, trotz wiederholter Aufforderung zur Rückgabe,
Im Januar 1932 begann ich mit der Neubearbeitung.  Um den Kritikern entgegen zu treten, brachte ich den Abschnitt "Stellungnahme zur Drachentheorie".  Nach Fertigstellung des Manuskriptes versuchte ich die Sache beim Frank´sche Verlag in Stuttgart anzubringen, weil ich zum Verlag Volkmann kein Vertrauen mehr hatte.
Der Verlag in Stuttgart teilte mir mit, daß er bereit ist die Sache zu übernehmen, wenn der D.L.V. ein Teil der Auflage übernimmt.  Dieses war aber nicht möglich, weil der Verlag Volkmann der Bevorzugte Verlag des D.L.V. ist.  Nun bat ich meine Arbeit des Verlag Maier, Ravensburg an.  Dieser erklärte mir, daß meine Arbeit zu wissenschaftlich wäre und für seinen Verlag nicht geeignet sei. Da aber das Büchlein von Honold z. Zt.  neubearbeitet wird, soll ich einen Nachtrag bringen mit kurzer Beschreibung meiner modernen Drachen.
Nachdem ich dem Wunsch entsprochen habe, erhielt ich das Manuskript wieder zurück mit abfälliger Randbemerkungen von Honold versehen.  Dieses seien keine Drachen mehr.  Es soll statt Flugzeug ähnliche Drachen nur ein Kastendrachen beschrieben werden.  Dem Verlag habe ich mitgeteilt, daß ich auf eine Neubearbeitung verzichte, was der Verlag  allerdings sehr bedauerte.
Inzwischen wurde es 1933 und der D.L.V. wurde neubesetzt.  Ich versuchte nun die Verbindung wieder aufzunehmen. Man forderte die Einsendung des Manuskripts.  Daraufhin wurde im Jahr 1934 erklärt:
Die Anwendung von Drachen hätte für den Deutschen Luftsport-Verband in zweifacher Hinsicht Interesse.
1) Als moderner Drachensport (ähnlich dem Modellflugsport)
2) In Ansehung der Drachensperre
Ferner wurde mitgeteilt, daß dort ein großes Interesse für meine Arbeit besteht.
Des Manuskript wurde nun der Centrale für technisch - wissenschaftliche Berichtswesen Abtlg. Versuchsanstalt für Luftfahrt zur Prüfung vorgelegt.  Diese Prüfstelle bestätigte die Richtigkeit sämtlicher Angaben.
Die natürlichen Schwierigkeiten der flugmechanischen Fragen wurden anerkannt.  Es würde besonders hervorgehoben, daß die Handschrift einer sachlichen und sachkundigen Eindruck macht.  Um den Absatz des Buches zu erleichtern, wurde eine Kürzung der beschreibenden Teile vorgeschlagen, was eine Neubearbeitung forderte.
Nun habe ich eine Aufteilung in 3 Teile vorgenommen.  Teil I Einführungswerk, Teil II und III Bauplanhefte.
Der D.L.V. übergab dieses dem Reichsluftfahrtministerium.  Nach erfolgter Prüfung wurde es zur Veröffentlichung freigegeben.  Dieses wurde mir  durch den Präsident des D.L.V. (Loerzor) mitgeteilt. Es wurde mir anheim gestellt, mich mit einem Verlag in Verbindung zu setzen.  Als geeignet wurde der Verlag Volkmann empfohlen.
Man hat mir weiter anheim gestellt, sobald meine Verhandlungen mit einem Verlag zu einem Ergebnis geführt haben, mich erneut mit dem D.L.V. wegen des Geleitwortes in Verbindung zu setzen. (lt. Schreiben vom 17.7.35.)
Sofort setzte ich mich mit den Verlag Volkmann in Verbindung und teilte ihm mit, daß meine Arbeit von maßgebenden Stellen geprüft und freigegeben würde.  Ferner daß der D.L.V. großes Interesse und ein Geleitwort angeboten hatte.  Daraufhin wurde des Manuskript zur Ansicht anfordert.  Nach 8 Wochen Bedenkzeit wurde mir das Manuskript wieder zur Verfügung gestellt mit der Begründung, daß der Verlag z. Zt. mit Neuerscheinung überlastet sei, daß vielleicht in einem halben Jahr mehr Aussicht wäre der Sache näher zu treten.  Meinem Schwiegervater, der persönlich mit dem Inhaber dort verhandelt, wurde erklärt daß es ein großes Risiko wäre für den Verlag.  Man müßte sich zuerst noch mit der Lufthansa, mit dem Reichserziehungsministerium und 6-8 weiteren Dienststellen in Verbindung setzen und erst wenn keine Stelle etwas dagegen käme eine Verlagsübernahme in Frage.
Zur gleichen Zeit bemühte sich Herr Dipl.Ing. Schneider, Bearbeiter des  Flugzeugtypenbuches im Herm. Beyer Verlag, Leipzig um Fotos und Maßangaben meiner Drachen, (Eindecker, Doppeldecker und Dreidecker), die als Fesselflugzeuge bezeichnet sind, zur Einreihung im Flugzeugtypenbuch 1936.  Damit erfolgte die erste Veröffentlichung meiner Drachen.  Diese Gelegenheit benutzte ich, um mein soeben  freigewordenes Manuskript und Baupläne dem Verlag Beyer anzubieten.  Es erfolgte die sofortige Verlagsübernahme auf Empfehlung von Herrn Schneider.
Nun setze ich mich mit dem D.L.V, gemäß vom 17. 7. 35. wegen des Geleitwortes in Verbindung Bedauerlicherweise trat in der Zwischenzeit im Amt des D.L.V. ein Personalwechsel ein, an Stelle von Reichsluftsportführer Loerzer trat Mahnke.  Der Verlag erhielt von dort ein Schreiben von 2.5.1936 folgenden Inhaltes:
Gegen eine Veröffentlichung der Arbeit bestehen keine Bedenken.  Als Lehrmittel für vormilitärische Jugendausbildung kommt die Arbeit jedoch wegen ihrer zum Teil unklaren Darstellung nicht in Frage.
Der Antrag auf ein Geleitwort des Reichsluftsportführers muß abgelehnt werden.
Der Vermerk „Im Auftrag des D.L.V.„   muß gestrichen werden.  Nach den vorliegenden Akten ist ein schriftlicher Auftrag nicht erteilt worden. Eine solche Bestätigung hätte aber dem Verfasser erteilt werden müssen.
Wenn sich Herr Oesterle auf die Abmachungen mit Herrn Helbig (D.L.V.) im Jahr 1930 beruft, so muß hierzu gesagt werden, daß die damaligen Abmachungen auf Grund der neuen Verhältnisse hinfällig sind.
Erstens besteht der Deutsche Luftfahrt - Verband nicht mehr ((jetzt Deutscher Luftsport-Verband), zweitens ist Herr Helbig ausgeschieden, drittens sind die Sachbearbeitenden Stellen in andere Hände übergegangen und arbeiten nach anderen Gesichtspunkten, wie sie die Umorganisation des deutschen Luftsportes bedingt hat.
Es wird bedauert, daß aus allen diesen Gründen eine andere Stellungnahme nicht möglich ist.
Der Inhalt dieses Schreibens war für mich eine große Enttäuschung.  Trotz wiederholter Anfrage, was in meiner Arbeit zum Teil unklar dargestellt sein sollte, um die eine oder andere Stelle noch nachträglich zu berichtigen, erhielten wir keine Antwort darauf.  Es wurde mir nur kurz mitgeteilt. Wenn der Reichsluftsportführer auch aus grundsätzlichen Erwägungen dem Werk kein Geleitwort geben kann, so steht einer Empfehlung des Buches im Bereich des D.L.V. nichts im Wege. Diese kann durch das Verbandsorgan "Luftwelt" und durch das Mitteilungsblatt des Reichsluftsportführers geschehen.  Nach Fertigstellung des Werkes wird um Hersendung eines Exemplars gebeten.
Am 15. Juni 1936 erschien das Einführungswerk "Wesen, Bau und Verwendungszweck von Fesselflugzeugen".
Es waren 25 Jahre nach dem ich mit den ersten Versuchen zwecks Vervollkommnung von großen Kastendrachen begonnen habe.
Nun sandte ich ein Exemplar meines Buches an den Reichsluftsportführers, daraufhin wurde folgendes geantwortet:
Die Übersendung Ihres Buches wird mit bestem Dank bestätigt.  Im Mitteilungsblatt des
Reichsluftsportführers wird auf das Erscheinen des Buches entsprechend hingewiesen werden.
Für eine Besprechung indem Organ des D.L.V. und R.L.F. der " Luftwelt " wollen Sie ein Exemplar des Buches unter Bezugnahme auf dieses Schreiben der Schriftleitung der Luftwelt, zusenden (Schreiben vom 10.7.36.
Die Zusendung erfolgte nach Erhalt des Schreibens.  Die Besprechung bzw. Empfehlung erfolgte aber erst nachdem ich im September 1938 daran erinnerte, im Januar 1938.  Dieses erst nachdem der D.L.V.  im Jahr 1937 aufgelöst wurde, und an seine Stelle das N.S. Fliegerkorps getreten ist,
Gleich nach Erscheinen des Buches in Jahr I936 sandte der Verlag eine Anzahl Besprechungs - Exemplare an verschiedene  in – und ausländische Fachzeitschriften.  Das Rotterdamsche Abendblatt brachte 60 Zeilen Besprechung.  Die führende deutsche Fachzeitschrift „ Luftwelt „ brachte eine sehr gute Kritik mit folgendem Wortlaut:
Das vorliegende Büchlein verdient besondere Beachtung, weil bisher auf dem Gebiete des Baues von leistungsfähigen Drachen nur sehr wenig veröffentlicht worden ist.  Dabei kommt der Drachen - der Verfasser hat sehr gut das „Fesselflugzeug„ dafür geprägt - auf allen Gebieten der Luftfahrt eine Bedeutung zu, die heute noch nicht allgemein bekannt ist usw.  Die Besprechungen in dieser Zeitschrift sind stets sehr kritisch. Es folgten Besprechungen in den Zeitschriften: Der Sportflieger, Luftsport und Jugend und Flug und Werft, dann in einer führenden englischen und in der schweizerischen Fachzeitschrift „Inter-Avia„, diese erscheint in 5 Sprachen.
Die Tageszeitungen: Ortenauer Rundschau, Ortennauer Bote und das Parteiorgan „Der Führer„ brachten Berichte über das Buch.
Im April 1937 erschienen die beiden Bauplanhefte.  Im September 1937 brachte die französische
Fachzeitschrift " Revue de l´Armeé de l'Air " einen ausführlichen Bericht von 3 Seiten mit Abbildungen von meinem Buch über Fesselflugzeuge. Gleichfalls die deutsche Fachzeitschrift „Der Flieger„:  Flugzeugwörterbuch,  das  von Anders und Dr.  Eichelbaum (Hauptmann im Reichsluftsportministerium) verfaßt wurde, wird das Wort „Fesselflugzeuge„ erklärt und illustriert. (Doppeldecker).
Im Flugzeugtypenbuch 1937 auf 38 bearbeitet von  Dipl. Ing. Schneider wurden wie im Jahrgang 1936
drei Typentafeln von meinen Fesselflugzeugen gebracht. In der Zeitschrift „Luftfahrt und Schule"
(herausg.  Hans Helbig, der mich damals mit dem Verfassen des Buches beauftragt hatte.  Die Zeitschrift erscheint im Verlag Volkmann) brachte Herr Studienrat Denk, Leiter eines Modellbaukurses in Erlangen, ein eifriger Forscher und Förderer des Drachenwesens in Nr.2 1936 und Nr.6  1938 in einem Aufsatz „ Erfahrungen mit Flugdrachen im Rahmen eines Modellbaulehrganges„ an mehreren Stellen Hinweise auf meine Bücher und auf die Bedeutung der Fesselflugzeuge.  Ferner Einreihung in das Verzeichnis „Literatur über Drachen„.
Eine große Werbung erfolgte 1936 im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel „Flugliteratur" ferner in einem Bücherverzeichnis Sonderausgabe „Luftfahrt" dort wurde mein Buch unter „Luftwaffe" eingereiht.
Die beiden Bauplanhefte unter „Modellbau, Selbstanfertigung".
Ein umfangreicher Schriftverkehr und eine Menge Arbeit, hervorgerufen durch wiederholte Neubearbeitung der Manuskripte, war erforderlich unter Zurückstellung der privaten und geschäftlichen  Interessen, die das normale Maß weit überschritten, um das damals gegebene Versprechen einzuhalten, das man nachträglich als hinfällig erklärte. Nach vielen Enttäuschungen erfolgte aber doch noch der moralische Erfolg.
So wurden die Worte am Schluß des theoretischen Abschnittes Seite 36 meines Buches verwirklicht:
Immerfort und ohne Aufenthalt zu einem Ziele streben, das ist das Geheimnis eines jeden Erfolges.
Der Erfolg aber, der die Verwirklichung einer Idee bedeutet, soll die Befriedigung in idealer und nicht nur in materieller Richtung sein.

Abgeschlossen im April 1938.