Marconis drahtlose Telegraphie
über den Ozean


Vor kurzem brachte die Tagespresse die Nachricht, daß es dem bekannten italienischen Elektrotechniker Marconi, über dessen Versuche wir schon mehrfach berichtet haben, gelungen sei, ohne Anwendung eines Drahtes über den Ozean weg von Amerika nach Europa zu telegraphieren.

Seit Monaten arbeitet Marconi rastlos daran, nach seiner Methode ohne Draht Telegramme über den Ozean zu senden. Zu diesem Zwecke richtete er sowohl in St. John (Neufundland), wie in Pezauce (Cornwallis, England) große Telegraphenstationen.

Die Drähte sind in der Abbildung der Telegraphenstation deutlich zu erkennen, welche bestimmt sind, als Ausgangspunkt für eigenartig gestaltete Drachen zu dienen, die hoch in die Luft emporsteigen, um so den Empfangsdraht, die sogenannte Antenne, bis zu der für die Experimente nötigen Höhen zu emporzutragen.

Die Entfernung zwischen St. John und Pezauce beträgt 2700 Kilometer. Marconi selbst befand sich in St. John, sein Schüler und Assistent Right in Percauce.

Die Zeit, zu welcher telegraphiert werden sollte, war genau verabredet.

Marconi selbst arbeitet rastlos an weiteren Verbesserungen seines Verfahrens und hat als Tag seines neuen Versuches über transozeanische Telegrphie vorerst den 21. Juni 1902 angesetzt.




Aus „ Für alle Welt " Heft 15 1902