Drachen - Schutzgebiet

Aus einer Sammlung
verschiedener Notizen und Briefe
Hamburger Drachenfreunde von 1966.



Hamburg - Harburg, d. 22. 5. 1966

Heute, am Sonntag, bei Sonnenschein und böigem, bockigem Wind sind auf dem Schwarzenberg in Harburg mehrere unserer großen Rolloplane zu Bruch gegangen.

Fidi Pinnow´s großem Dreidecken brach in der Luft die Mastspitze.

Seinem 2 mtr. Dreideckern war die mittlere Rahe geknickt. Außerdem war eine Rahenhülse gebrochen.

Wie sich später herausstellte, waren auch einige Verbindungsnähte gelockert.

Also Pech auf der ganzen Linie.

Ich habe noch am gleichen Abend die Reparaturarbeiten gemacht, so, da alle Schäden wieder behoben sind.


Wilhelm Stahlberg.




Hamburg - Harburg, d. 23.05.1966


Werte Drachen - Sportfreunde !

Teile Euch mit, daß unsere Gemeinschaft heute besser dasteht als je zuvor.
Unsere Jugend wartet darauf, in unseres Drachen - Sportgemeinschaft aufgenommen zu werden.
Hoffentlich bleibt es auch so in Zukunft, damit wir in der späteren Zeit auf die Behörden, mit denen wir zu tun haben, auch etwas Druck ausüben können. Denn so, wie es bisher war, kann es doch nicht weitergehen.
Man nimmt uns die Daseins- - Berechtigung ohne danach zu fragen, ob man den ältesten Sport der Menschheit zu Grunde richtet, oder nicht.
Von allen unseren früheren Drachenplätzen ist uns heute nur noch einer geblieben, der Schwarzenberg in Harburg. Und diesen gilt es, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln für unseren Sport zu erhaltene denn dieser Platz ist schon seit Menschengedenken der Drachenplatz der Harburger Bevölkerung gewesen.
Diese, meine Behauptung, kann ich jederzeit beweisen, denn ich habe schon als 6 jähriger Junge dort meinen Drachen steigen lassen und heute bin ich 70 Jahre alt. Vor mir hat aber schon eine Generation auch ihre Drachen dort steigen lassen, denn es waren damals auch schon Erwachsene dabei.

Wilhelm Stahlberg.



Wilhelm Stahlberg schrieb an den Drachenfreund Henry am 12. September 1966.

Nachmittags klingelte es bei mir an der Tür.
Wer kommt da ?

Die Beiden !(gemeint waren zwei Drachenfreunde, von denen im Brief schon vorher die Rede war.)
Beide mit mürrischen Gesichtern.
Das Erste was ich zu hören bekomme ist,
"So, nun können wir mit unserem Drachensport man einpacken".
Ich frage, was ist denn nu los?
Da berichten die Beiden mit folgendes:
Sie waren auf dem Schwarzenberg und haben den Malaya hoch.
Es dauert gar nicht lange,da kommt ein Peterwagen (Polizei) auf den Drachenplatz! Die Beamten gucken nach den Drachen.
Dann steigt einer der Beamten aus,kommt zu Fiddi ran und fragt,wie hoch haben Sie ihren Drachen stehen?
Fidi antwortet:
"250 Meter" !
Da sagt der Beamte zu Fiddi, daß ist verboten.
" Hundert Meter Schnur, und nicht mehr "!
Darauf kontert Fidi mit der Zeitungsnotiz
" Der Schwarzenberg ist Drachen - Schutzgebiet, 250 Meter sind erlaubt " !
Darauf der Beamte:
" Das gilt nicht mehr,das ist überholt" !
" Sie können auf die Wache gehen und können sich es dort durchlesen" !
Soweit Fidi und Walter.

Zwei junge Leute, die an der Sache interessiert sind, sind gestern mal zur Wache gegangen und haben sich den Schrieb zur Durchsicht vorlegen lassen.

Also die Beamten auf der Wache wußten auch nichts von der Drachen Sportgemeinschaft Hamburg,
und das Schriftstück enthielt nach Meinung der jungen Leute auch nur die Allgemeine Anordnung, die für das ganze Bundesgebiet gilt, nämlich 100 Meter.

Henry ! Hier muß etwas geschehen, und daß recht schnell !

Komm mal rüber zu mir.

Mit sportlichem Gruß und " Goden Wind ".

Dein Sportsfreund Wilhelm








Hamburg - Harburg, d. 13. 9. 1966

Betrifft : Drachensport auf dem Schwarzenbergplatz !

Heute erfuhr ich gesprächsweise von dem Polizeibeamten Herrn Auerochs ( Dienstgrad mir unbekannt ),
daß die Polizei in der, scheinbar, letzten Woche eine Sitzung hatte in der u. A. auch das Thema:
Hubschrauber – Landeplatz auf dem Schwarzenbergplatz zur Sprache kam.
Auf dieser Sitzung wurde dann auch festgelegt, daß Drachen auf dem besagten Platz nicht höher als 100 mtr. stehen dürfen.
Höher als 100 mtr. gibt es nicht mehr, denn wenn ein Hubschrauber durch eine Schleife über dem Schwarzenberg bekannt gibt, daß er dort landen will, müssen binnen kurzer Zeit die Drachen aus der Luft verschwunden sein.
So stellt man sich bei der Polizei die Sache vor.
Nach anderen Belangen fragt man nicht erst lange.
Wir vom Drachensport fragen uns aber, muß daß sein, daß man mitten in einer Großstadt einen
Hubschrauber - Landeplatz anlegen will, auf einem Platz, der schon seit Menschengedenken - Drachenplatz - gewesen ist
Gibt es keine anderen Möglichkeiten ?



Ich weiß aus den Notizen und Gesprächen mit Arno Haft (er gehörte auch zu den Hamburger Drachenfreunden)
das die Hamburger Drachenfreunde anschließend ihre Drachen nie wieder auspackten, denn 100 Meter Höhe,
nein, dann hören wir auf !