Ein kleiner Ausschnitt

aus dem

Almanach der Drachen

von Hans Snoek


1897

Wise läßt sich in Gov. Island, USA, durch zwei Drachentandems, d.h. durch 4 Drachen vom Typ Hargrave, bis 6 m hochheben. Der Beobachterkorb ist an einem besonderen Kabel befestigt, das über eine am Hauptseil angebrachte feste Rolle läuft, und wird erst nach Hochbringen des Drachengespanns hochgehißt.

Es soll am 27. Januar gewesen sein und die Windgeschwindigkeit betrug 7 m pro Sekunde.

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Kreß entwickelt einen zusammenlegbaren Drachen für den Gleitflug und läßt ihn an einer Schnur zu steigen.

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Unter der Leitung von Moore wird während der 6 Sommermonate in den Vereinigten Staaten ein Netz von 17 Drachenstationen eingerichtet. Es werden 1898 Höhen zwischen 1000 und 2000 m eingehalten.

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Beginn der Drachenaufstiege am Observatorium von Teisserenc de Bort in Trappes.

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In Rußland werden Drachenversuche zum Emporheben von Beobachtern, Photoapparaten und zu Signalzwecken begonnen. Am Observatorium Constantin bei Pawlowsk beginnen einige Angestellte private Versuche mit meteorologischen Drachenaufstiegen auch zum Zweck der Bestimmung von Wolkenhöhen.

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Gründung der Ballonwerkstätten von Riedinger in Augsburg, an denen neben Freiballonene auch Fesselballone und Drachenballone gebaut werden.

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Am Blue Hill Observatorium werden fast alle Aufstiege nur noch mit Hargrave Drachen mit eleatischen Zügeln vorgenommen.

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Auf Anregung und mit Unterstützung von Hergesell, Vorsteher des Meteorologischen Landes¬ dienstes in Elsaß-Lothringen, werden im Januar vom Oberrheinischen Verein für Luftschiffahrt unter Leitung von Euting und Assistenz von Stolberg und Hildebrandt anfangs bei Straßburg, später auf den Höhen bei Oberschausbergen, meteorologische Drachenversuche nach amerikanischem Muster begonnen.

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Herausgabe der " Illustrierten Aeronautischen Mitteilungen " monatlich. Zeitschrift des Deutschen Luftschiffer Verbandes, mit Beiträgen namhafter Forscher auf dem Gebiet des Fesselfluges.

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Erscheint vierteljährig die Zeitschrift " The Aeronautical Journal " in London.

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War es der Amerikaner Charles Lamson der als erster Mensch in einem Drachen flog, d.h. weder in einem Korb oder an der Drachenleine, noch in einem Hanggleiter. Er konnte über die bewegliche hintere Zelle den Anstellwinkel regulieren und den Drachen durch Gewichtsverlagerung nach rechts oder links steuern.



1898


Entwickelt Alexander Graham Bell seine ersten dreieckigen Kastendrachen, aus dem später der gleichmäßige Tetraeder Drachen entstand, und dessen zwei Seiten er mit Seide bespannte.

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Köppen macht erste Versuche mit Drachenaufstiegen bei Hamburg-Eimsbüttel und entwarf später den Treppendrachen.

Schon manchmal, wenn ich zwanzig Jahre früher mit Sprung über das Heiligengeistfeld nach Hause ging und wir die vielen Drachen der Kinder in der Luft stehen sahen, hatten wir gesagt:

wenn man doch damit Instrumente in die Luft schicken könnte ! Aber dazu gehörten Erfindungen und unendliche Versuche, die wohl reiche Privatleute, aber nicht vielbeschäftigte Beamte machen können.

Im Sommer 1892 erzählte mir Rotch, daß eben auf seinem Privatobservatorium Blue - Hill solche Versuche in Masse gemacht worden, nachdem sein Assistent Ferguson einen ganz leichten Aluminiummeteorographen erbaut hatte. Die benutzten Drachen waren noch nicht stabil genug, aber von 1893 ging es mit den vom Australier Hargrave erfundenen Kastendrachen mit vollem Erfolg, mit Stahldraht als Leine, jedoch solange ich keine Muster von diesen besaß, gelang es mir nicht, stabile Drachen zu bauen, und ich habe viel Zeit vergeudet mit unnützen Versuchen.

Erst als ich einen großen Marwin-Drachen aus Washington bekam, ging es bald leidlich mit den eineinhalb Arbeitern, die ich mir leisten konnte.

Freilich, etwas Ernstes konnte auf dem beschränkten und von der Stadt umgebenen Platz am Isebeck-Kanal und mit den mageren Mitteln nicht geleistet werden, aber ich hoffte, namentlich nachdem das Preußische Kultusministerium 1898 dem Berliner Meteorologischen Institut in großem Maßstabe die Mittel zu einer aeronautischen Abteilung, die zuerst in Tegel, dann in Lindenberg arbeitete, zur Verfügung gestellt hatte, daß auch die Seewarte bald aus diesem Provisorium zu einer arbeitsfähigen Einrichtung kommen werde.

1900 konnte ich eine Woche in Berlin an dem neuen aeronautischen Observatorium arbeiten und war bei dieser Gelegenheit mit zwei der bedeutendsten Kenner der Drachenmethoden zusammen, mit Professor Marvin (Washington) und Teisserenc de Bort (Paris).

Aber die Seewarte erhielt Jahr für Jahr für die Drachenversuche nur dreitausend Mark, mit denen sich wohl die Technik erproben, aber keinerlei dauernder Betrieb machen ließ. Die Technik freilich gewann ich bald, so daß ich mich dann wunderte, was denn eigentlich zuerst so große Schwierigkeiten gemacht hatte und neue Drachentypen und Einrichtungen konstruierte (den Treppen-Kastendrachen und den Brillantdrachen).

Aber als 1902 wieder nur dieselben dreitausend Mark brachte, wollte ich im Namen der Seewarte auf diese Summe verzichten mit der Erklärung, daß weitere Versuche keinen Zweck hätten und bis zur Einrichtung eines ordentlichen Betriebes eine Pause eintreten möge.

Da wurde ich zum Reichsmarineamt nach Berlin gerufen, und es wurde mir dort erklärt, wenn ich jetzt verzichtete, würde es nie zu dem Betrieb kommen. Ich dürfe den Geldposten nicht zurückweisen. Endlich wurden für das Etatjahr 1903/04 achttausend Mark bewilligt. Damit ließ sich, wenn man sparsam wirtschaftete (und anders wollte ich gar nicht), schon etwas erreichen. Ich machte einen geeigneten Platz in Großborstel im Nordwesten von Hamburg ausfindig, in dessen Nähe wir auch eine Wohnung fanden.

Am 1. April 1903 begann dort der Betrieb auf der " Drachenstation der Deutschen Seewarte ".

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Am Blue Hill Observatorium wird eine Dampfwinde statt der bisher gebrauchte Handwinde eingeführt. Der Motor hat zwei Pferdestärken. Die Drehzahl betrug 100 bis 400 Umdrehungen pro Minute.

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Ein Spiel das bei den Dajaken in Borneo in höchstem Maße besonders interessiert, ist das Papierdrachen," Kaliangan " ,die man gegeneinander fechten läßt und wobei hohe Wetten eingegangen werden. Die Papierdrachen sind sehr leicht gearbeitet, haben ein Holz in der Längsrichtung und ein Querholz, die gegenseitig mit Rottan oder Bindfaden verbunden und mit dünnem chinesischen Papier beklebt sind; meist hat der Papierdrachen auch Quasten an den Seiten, seltener einen Schwanz.

Nach der verschiedenen Form, die man den Papierdrachen gibt, führen dieselben verschiedene Namen, so heißt:

1. Badewang, längliches Viereck, Querholz gerade.

2. Tjabong, längliches Viereck, aber Querholz nach oben gebogen.

3. Patek, der untere Teil des Drachen etwas eingebuchtet.

4. Tangkawajan, der untere Teil stark eingebuchtet.

5. Kalagudä, oben ein Dreieck, in der Mitte rund, unten wieder ein Dreieck.

Ganz besondere Sorgfalt wird nun der Schnur gewidmet, die auf eine große Spule gewickelt und deren oberer Teil sorgfältig mit einer Mischung von feingestoßenem Glas mit Eidotter bestrichen ist.

Zwei Drachen werden nun gegeneinander geführt und nun versucht der eine die Schnur des anderen durchzuschneiden, indem man die Drachen abwechselnd etwas steigen läßt und schnell wieder nach unten zieht, so daß die Schnüre gegeneinander reiben. Man nennt dieses Fechten " hagalas bagalas " und die Wetten unter den Erwachsenen erreichen nicht selten 100 Gulden.

Man läßt die Drachen auch zuweilen während eines Festes steigen, um den Festgenossen Gelegenheit zum Wetten zu geben.

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Hugo Nickels Beobachtungsdrachen soll 1899 selbsttätige meteorologische Instrumente stetigen Auftrieb verschaffen, der Drachen hatte die Maße 8 x 4 m.

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Uljanin führt beim 10. Kongress der russischen Ärzte und Naturforscher in Kiew ein Drachengespann von 60 m2 Fläche vor und hebt damit Menschen mehrfach bis zu 60 m Höhe bzw., 200 m im Einzelfall.

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Baden Powell überreicht der Gesellschaft der Künste in London einen Bericht über seine Arbeiten und läßt sich am gleichen Tage mehrfach von Drachengespannen von 3 bis 8 Drachen mit 27 bis 87 m2 Gesamttragefläche bis 90 m hochheben.

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Erste Aufstiege mit einem Parseval-Sigsfeldschen Drachenballon von Riedinger, Augsburg,für meteorologische Zwecke findet in Straßburg vor der internationalen Aeronautischen Kommission statt. Der Ballon hat eine Länge von 11 m eine Höhe von 4,5 m, ein Gewicht von 110 kg, ein Volumen von 222 m3 und eine Oberfläche von 219 m2.Das Kabel wog 50 g pro laufenden Meter.

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Entwickelt J. Lecornu den " Regal" - Drachen. Außerdem experimentierte Lecornu mit " Rettungsdrachen " und baute Leinenläufer ein, die eine Seilrolle mit einer Boje am unteren Ende tragen konnten. Befand sich der Drachen ungefähr über dem Schiffswrack, wurde die Seilrolle gelöst, so daß die Boje herabfiel und die von der Rolle ablaufende Leine mit sich zog. Durch die Bergung der Boje waren die Schiffbrüchigen in der Lage, den Drachen einzuholen und das Drachenseil selber als Verbindung mit ihren Rettern zu verwenden.

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Die Baltischen Flotte setzte eine geänderte halbstarre Hargrave - Bauart mit nicht auseinandernehmbaren Seitenwänden ein. Der Drachen wurde als manntragender Drachen im Drachenzug aus 4:6 Einheiten als Beobachtungsdrachen eingesetzt. Die Steuerung (Anstellwinkeländerung) erfolgte durch Anziehen der Drachenzügel vom Beobachter - so konnte gleiche Zugkraft am Drachenseil bei verschiedenen Windgeschwindigkeiten erreicht werden. Bambusgerippe mit dünner Segelleinwandbespannung.

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Der New York Herald. vom 1.März enthält unter der Überschrift " Viewing enemies from the sky Mr. Eddy`s plan to use kites and Cameras to locate hostile warships " einen Artikel,der in großen Zügen darstellt, wie man den Drachen und ihrer Hilfe die Photographie im Kriege mit Erfolg verwenden könne.

Es handelt sich hierbei kurz darum, mit den genannten Hilfsmitteln feindliche Schiffe schon dann zu erkennen, wenn sie für den Beobachter auf einem Schiffe sich noch unter dem Horizont desselben befinden.

Eddy will 6 Cameras verwenden und dieselben auf einer hölzernen Scheibe derart befestigen, daß ihre schmalen Seiten nach dem Centrum der Scheibe zusammenstehen und von oben gesehen ein Sechseck bilden; auf diese Weise würde der größte Teil des Horizonts unter Beobachtung genommen sein.

Auf Grund der am Blue - Hill Observatory ausgeführten Versuche ist Herr Eddy überzeugt, daß man auf diese Weise bereits in einer Entfernung von 70 km ein Kriegsschiff insoweit erkennen kann.