Entenjagd mit Drachen


Da im Frühling viele Tausend Enten in den großen Sumpf des Landes hinausgelassen werden und sich dort
wie ein Spiel Karten wild durcheinander mischten, schien mir trotz jener Marken doch die Aufgabe, diesen
ganzen verwirrten Knoten im Herbst wieder aufzulösen, sehr schwer. Aber man weiß sich zu helfen, die alten
Enten kennen genau ihre Heimat. Sie kommen, wenn „ das Feld zugeht ", d. h. beim Einbrechen des rauhen
Winters, von selbst angewatschelt und melden sich an der rechten Stelle um Aufnahme und Schutz; auch bringen
sie immer schon einige von ihren Kindern mit sich.
Der Fang der übrigen Jungen und der im Laufe des Sommers völlig verwilderten Enten - allerdings bei weitem
der Mehrzahl -, wird durch mehrere Umstände ermöglicht. Das Feld friert zuerst in den Außenpartien zu,
während in der Nahe des schützenden Deiches und der Hauser noch lange einige sogenannte „Pole" (Wasserstellen) offen bleiben. Dahin treibt also der Winter von selbst die Enten zusammen. Sie scharen sich dort, wie fast alle
Vögel, im Herbst zu großen Gesellschaften und vereinigen sich auf den „ Polen " zu vielen Hunderten. Sie gewöhnen
sich nun in der Nähe des Deiches, wo bis spät in den Winter hinein viel geschifft und gewirtschaftet wird, allmählich
an den Anblick des Menschen und seiner Werke, Kälte und Hunger machen sie schon etwas zahmer.
Auch bringen die Bauern, um sie noch mehr zu gewöhnen, dann und wann etwas Futter in die Pole, haben sie auf
diese Weise endlich einen Haufen von 800, 900 oder mehr Enten beisammen, und Winter und Hunger machen sie
auch schon etwas zahmer, so geben sie ihrem Nachbarn Kunde. Diese machen sich in Booten auf, rudern nach
einem verabredeten Plan aus verschiedenen Kanälen auf die Entenarmee los und suchen sie allmählich und leise in
einen großen, noch offenen Kanal hineinzutreiben, welcher an dem Deiche in einen kleinen Hafen ausgeht, das
Ende dieses Kanals haben sie mit Fischnetzen behangen und überbaut, die schließlich in einem ganz engen Netzsack
sich verlaufen. Die Enten, die, wie gesagt, um diese Jahreszeit bereits ohnedies ziemlich unlustig zum Fliegen sind, schwimmen, von den Booten gescheucht, allmählich ihrem Gefängnis zu. Um sie noch besser aus der Luft zu halten, lassen die Leute über ihren Köpfen auch einen Papierdrachen steigen, vor welchem die Enten sich niederducken,
da sie ihn für einen Reiher oder einen anderen Todfeind halten.

Auszug aus „ Geschichte des Bremer Blocklandes " von Heinrich Hoops, 1860.