Veröffentlichungen
des
Königlichen Preussischen Meteorologischen Instituts
Herausgegeben durch den Direktor
Wilhelm von Betzold
 
 

 Ausschnitt aus dem Buch

Titelseite des Buches

Ergebnisse der Arbeiten am Aeronautischen Observatorium
1. Oktober 1901 bis 31. Dezember 1902
Von R. Assmann und A. Berson
Von 1904
 

Bericht
über
Drachenaufstiege auf der Ostsee, den Norwegischen Gewässern
und dem Nördlichen Eismeere,

ausgeführt bei Gelegenheit einer

Urlaubsreise nach Spitzbergen, an Bord des Vergnügungsdampfers "Oihonna"

von
Arthur Berson und Hermann Elias.



 
 

 
Ergebnisse der Aufstiege.
 

3. August 1902.

Am Nachmittag im Großen Belt ersten Versuch mit Drachen, ohne Apparat, gemacht: 375 m Kabel mit einem
4 m2-Drachen aufgelassen.  Bei schwachem ESE-Winde und nördlichem Kurse war der Drachen nicht zu halten.
 

Zusammensetzen des Drachens. Auflassen des Hülfsdrachens.
Auflassen des Drachens. Anbringen des Apparats am Draht.



4. August 1902.

Am Vormittag war es im Skagerrack so böig und drohend mit plötzlich umspringenden Winden
(ENE, dann WzN bis NWzN, dann wieder, NEzE bis E) und starkem Seegang, daß sich ein Drachen nicht zusammensetzen ließ.
Später zu wenig Wind. Erst am Abend wurden die Verhältnisse günstiger und es wurde der erste größere Versuch (ohne Apparat) unternommen: ein 4 m2 Drachen bekam 1000 m Kabel und hielt sich gut; er hätte noch mehr getragen, doch mußte wegen hereinbrechender Dunkelheit eingeholt werden.  Es zeigte sich, daß die ziemlich primitive Führung (automatische Verteilung) des Drahtes auf der Windentrommel schlecht funktionierte: der Draht wurde sehr unregelmäßig und unvorteilhaft aufgewickelt.
 

5.August 1902.

Für einen Aufstieg war der Wind beinahe nur Schiffswind, zwischen den Schären nördlich von Bergen - eigentlich zu schwach: um nicht gleich zu Anfang einen Apparat durch Hineinfallen in die See zu riskieren, beschließen wir,
nur einen Drachen allein aufzulassen, hauptsächlich um den sehr schlecht liegenden Draht besser aufzuwickeln. 1250 m werden ausgelassen, die der Drachen mitnimmt, allerdings unter einem sehr niedrigen Winkel stehend.
Bei plötzlichem Kurswechsel während des Mittagessens senkt sich der Draht bis ins Wasser durch und springt von der Trommel ab; es muß eine provisorische Spleissung gemacht werden.  Beim Einholen haben wir einen enormen Zug, lediglich infolge Reibung des Drahtes im Wasser; doch bekommen wir schließlich Alles heil heraus.
Die Drachen wurden bisher immer sehr glatt auf das Deck gelandet.
 
 

X - Drachen nach Mund.
Zusammenlegbarer Drachen:
X - Drachen              Gradflächiger Hargrave Drachen
Krummflächiger Blue Hill Drachen.



6. August 1902.

Von früh bis 1/26 p. m. in Meraak (Geiranger Fjord) vor Anker gelegen: Wetter fast windstill und Hochnebel, Aufstiegsversuch aussichtslos.  Nach Abfahrt am Abend im engen Fjord zu wenig Wind und zu häufiger Kurswechsel.