Veröffentlichungen
des
Königlichen Preussischen Meteorologischen Instituts
Herausgegeben durch den Direktor
Wilhelm von Betzold

1900 - 1901
 

 Ausschnitt aus dem Buch

Titelseite des Buches
 

Ergebnisse der Arbeiten am Aeronautischen Observatorium
1900 bis 1901
Von R. Assmann und A. Berson
Von 1902
 

Bericht
über

Das Personal des Observatoriums.


Die dienstliche Stellung des Aeronautischen Observatoriums im Rahmen des Königlichen Meteorologischen Instituts ist die einer Abteilung.  An ihrer Spitze steht demnach ein Abteilungs - Vorsteher, der Geheime Regierungsrat Professor Dr. R i c h a r d  A s s m a n n , dem zwei wissenschaftliche Beamte unterstellt sind, der ständige Mitarbeiter A r t h u r  B e r s o n und der Assistent H e r m a n n   E l i a s.  Letzterer war wahrend der Zeit vom 1. Oktober 1900 bis ebendahin 1901 zur Ableistung, seiner Militärpflicht als Einjährig - Freiwilliger bei dem 11.  Telegraphen - Bataillon in Frankfurt a. Oder beurlaubt.
An seiner Stelle trat der Ingenieur O t t o   K n o p p  in das Observatorium ein und verblieb dort bis zum 1. Dezember 1901 durch seine gründlichen Kenntnisse in der Maschinenkunde und Elektrotechnik, durch seine konstruktive Begabung und seine Arbeitsfreudigkeit erwarb er sich wahrend dieser Zeit um die Vervollkommnung der technischen Einrichtungen des Observatoriums große Verdienste.  Er verließ dasselbe, um sich in seinem eigentlichen Berufe als Elektrotechniker in dem nordamerikanischen Weltgeschäfte von Thomson Houston & Co. zu vervollkommnen, nachdem er auf Wunsch des Herrn A.  La w r e n c e  R o t c h  auf dem Blue Hill Observatorium eine Zeitlang gearbeitet hatte.
Dem Abteilungs - Vorsteher fällt außer der besonders während der Zeit des Baues und der Einrichtung nicht unbeträchtlichen Verwaltungsarbeit die Leitung des Observatoriums, die Drucklegung der Publikationen sowie der Verkehr mit ähnlichen Instituten und anderen außerhalb stehenden Personen zu.
 


 
Das Aeronautische Observatorium des Königlichen Meteorologischen Instituts,
am Tegeler Schießplatz,
mit Ballonhalle, Dienstgebäude und Windenturm .

Aus dem inneren Dienste hat er sich die Ausführung von Ballon - sondes- Aufstiegen, sowie die spezielle Leitung der Mechaniker - Werkstätte vorbehalten.
Die Aufgabe des ständigen Mitarbeiters ist die wissenschaftliche Auswertung und Bearbeitung der am Observatorium ausgeführten Registrierungen und Beobachtungen, sowie deren Vorbereitung zur Publikation außerdem aber gemeinsam mit dem Assistenten die Ausführung von Freifahrten bei den allmonatlich stattfindenden internationalen Ballonfahrten.  Die hierzu benötigten Materialien und Instrumente und deren Instandhaltung unterstehen seiner besonderen Beaufsichtigung.
Der Assistent hat nach erfolgter Zustimmung des Abteilungsvorstehers und, wenn erforderlich, von diesem und dem ständigen Mitarbeiter unterstützt, die Aufstiege der Drachenballons und Drachen selbstständig zu leiten, die hierfür gebrauchten Apparate herzurichten und die ersten Auswertungen und Reduktionen der Registrierungen vorzunehmen.  Da er eine Vorbildung als Maschinentechniker besitzt, liegt es ihm außerdem ob, die maschinellen und elektrischen Anlagen, sowie den Drachenbau zu beaufsichtigen.
Die Büroarbeit, Registratur und Verwaltung einer Kasse, welche im Abrechnungsverkehr mit der Kasse des Zentral - Institutes steht, sowie die Führung der Inventarverzeichnisse und die Aufsicht über das Haus - Inventar liegt in den Händen des Bürosekretärs H e i n r i c h   B r e h m , welcher, da ein Kanzlist bei der Abteilung nicht vorhanden ist, vielfach auch für Kanzleiarbeiten in Anspruch genommen werden muß, wozu ihm eine Schreibmaschine zur Verfügung steht.  Zur Vereinfachung der Arbeit benutzt auch der Abteilungs - Vorsteher eine solche zur laufenden Korrespondenz, wobei ein Durchschlag - Exemplar zu den Akten als Konzept kommt; das Abschreiben und Kollationieren eines Handkonzeptes kommt hierdurch in Fortfall.  Die letztgenannte Schreibmaschine, eine New Century - Caligraph - Maschine mit Gorin Tabulator, dient auch zur gleichzeitigen Anfertigung mehrerer Exemplare der zur Versendung an die Internationale Aeronautische Kommission bestimmten Beobachtungstabellen von den allmonatlichen internationalen Ballonfahrten.
Außer den vorgenannten Beamten sind noch ein Aufseher und zwei Gehilfen als Lohnempfänger mit sechswöchentlicher Kündigung angestellt.
Der verheiratete Aufseher F e r d i n a n d  S c h m i d t  bat vornehmlich das Ballonmaterial zu verwalten, zu pflegen und in Bereitschaft zu setzen.  Außerdem hat er für die Beschaffung, sachgemäße Unterbringung und Bedienung des vom Luftschiffer - Bataillon in Stahlflaschen gelieferten Wasserstoffgases zu sorgen und die hierzu nötigen Gasapparate und Utensilien in Ordnung zu halten.  Er bat ferner die Aufsicht über das Grundstück und sämtliche Gebäude und Anlagen zu führen.  Gemeinsam mit seiner Frau hat er für die Reinigung der Diensträume im Wohngebäude und die Heizung der Öfen zu sorgen.  Außerdem hat er über die Innehaltung der Hausordnung zu wachen.
Der Gehilfe  K a r l   W i e t b r a u c k, der gelernter Schmied ist, bat die in sein Fach schlagenden Schmiede - und größeren Schlosserarbeiten auszuführen und die Dampfmaschine nebst den elektrischen Kraft- und Lichtanlagen zu bedienen, wobei er von Zeit zu Zeit von dem anderen Gehilfen und dem noch zu erwähnenden zweiten Mechaniker abgelöst wird.
Der andere Gehilfe, W a l t e r   M u n d, der gelernter Gärtner ist, hat in erster Linie die Instandhaltung - der Drachen, Kabel und Drähte, Ausführung von Spleissungen und elastischen Zügeln, ferner die Bedienung und Pflege der Kabelwinde zu besorgen.  Außerdem liegt ihm die Instandhaltung der Brunnen und Feuersicherungsvorrichtungen und die Pflege der kleinen Gartenanlagen ob.  Von Zeit zu Zeit hat er auch die Dampfmaschine zu bedienen.
Bei der Bedienung der Gasapparate zu Ballonfüllungen, bei den Drachen- und Drachenballon - Aufstiegen oder solchen von Registrierballons haben sämtliche drei Angestellte entweder abwechselnd, oder gemeinschaftlich tätig zu sein.
Da die außerordentlich häufigen Wege nach der Post, dem Bahnhofe Reinickendorf, nach der Stadt  u. s. w. zum Zwecke des Abtragens oder Abholens von Materialien und Postsachen bei der Abgelegenheit des Observatoriums die sonstigen dienstlichen Obliegenheiten der Gehilfen in zweckwidriger Weise störten, wurde versuchsweise ein Laufbursche, F r i t z  K r a e m e r aus Reinickendorf - West, beschäftigt, der außerdem bei der Reinigung und Instandhaltung des Geländes und bei den Experimenten mit Drachen und Ballons zur Hand zu gehen sowie die beiden vorhandenen Zweiräder und ein Dreirad zu reinigen hat.  Der Versuch hat sich bisher durchaus gut bewährt.
Die zahlreichen größeren Mechaniker - Arbeiten, die bei dem Betriebe der maschinellen und elektrischen Einrichtungen, sowie bei der Reparatur von Apparaten und dem Neubau
von Drachen unausgesetzt auszuführen sind, haben Veranlassung gegeben, den Mechaniker
R e n a t u s   S c h m i d t  dauernd am Observatorium zu beschäftigen. Er hat außerdem noch die Aufgabe, die beiden Elektromotoren zu pflegen und von Zeit zu Zeit die Dampfmaschine zu bedienen, um Betriebsstörungen in diesen für die ganze Arbeit besonders wichtigen Einrichtungen auszuschließen.
Die Notwendigkeit, die unerwartet zahlreichen Reparaturen und Nachprüfungen der eigentlichen Gebrauchs - Apparate an Ort und Stelle und ohne Zeitverlust auszuführen, immer zwingender, so das die Einrichtung einer kleinen Mechaniker - Werkstatt nicht weiter hinausgeschoben werden konnte.  Die im Sommer 1901 erfolgte Einstellung des Präzisions Mechanikers F r i t z  T h i e m e  beseitigte diese Schwierigkeiten in der zufriedenstellendsten Weise und lieferte den Beweis, dass ein nur einigermaßen zusammenhängendes Arbeiten ohne eine eigene Werkstatt überhaupt nicht möglich ist.
Da der Genannte noch die von den Beamten kaum regelmäßig zu leistende Bedienung und Instandhaltung des Registrierapparates für den Wind, des Aspirations - Meteorographen nebst seinem Elektromotor, des Barographen u. s. w. in sachverständiger Weise übernehmen konnte, wurde es möglich, diesen wichtigen Teile der Ausrüstung die unbedingt erforderliche Aufmerksamkeit zuzuwenden, ohne welche diese ihren Zweck nicht erfüllen kann.
Ganz besonders notwendig aber war es, alle in Benutzung gewesenen Registrierapparate für Drachen und Ballons, d. h. 4 Baro-Thermo-Hygro-Anemographen, 5 Barothermographen für Ballons-sondes, einen Barographen für Freifahrten, zwei große Aneroidbarometer für denselben Zweck u. a. m regelmäßig unter der Luftpumpe und später auch die Kältekammer bei tiefen Temperaturen zu prüfen, deren Skalen neu zu bestimmen oder die Apparate zu justieren und die unaufhörlich bei ihrem Gebrauche eintretenden Beschädigungen ohne Zeitverlust, auszubessern.  Diese Arbeiten nehmen die Tätigkeit des Mechanikers T h i e m e, der, wo angängig, durch den Mechaniker R.  S c h m i d t  unterstützt wird, so vollständig in Anspruch, dass man nicht umhin kann, das Vorhandensein derartiger Hilfskräfte als ganz wesentlich für die Aufrechterhaltung des Betriebes zu bezeichnen.  Die beabsichtigte Neukonstruktion von Registrier - Apparaten, die z. B. zur Zeit unaufschiebbar geworden ist, nachdem 3 Barothermographen bei Ballons-sondes-Aufstiegen verloren gegangen sind, bat wegen der sonstigen Überbeanspruchung des Mechanikers nur in bescheidensten Grenzen in Angriff genommen werden können, soll jedoch demnächst energisch gefördert werden.
 



 
Drachenwerkstatt
 

Der Bau der Drachen ist mit der zunehmenden Verfeinerung der Konstruktionen, wie sie besonders durch R o t c h und seine Assistenten He l m - C l a y t o n und  F e r g u s s o n
am Blue Hill - Observatorium ausgeführt wird, zu einer Art "Kunstgewerbe" geworden, das nur von einem besonders geschickten Fachhandwerker mit Erfolg betrieben werden kann.  Die Herrichtung der verschieden profilierten Hölzer, deren kunstvolle Verbindung untereinander mittels Aluminium - Beschlägen, die Anfertigung der gekrümmten Flächen, die aus dünnem Stahlblech von 0,1 mm Stärke hergestellt werden, ist dem Tischlermeister S c h r e c k  aus Reinickendorf - West übertragen worden, der diese Arbeiten gegen einen Stundenlohn zu voller Zufriedenheit ausführt.  Das Säumen und Aufnähen der aus parafluierter Baumwolle bestehenden Drachenflächen wird durch eine ebenfalls auf Stundenlohn beschäftigte Näherin besorgt.
Die unaufhörlichen Reparaturen an Drachen werden teils von denselben Personen, teils, wenn nur leichtere Beschädigungen in Frage kommen, von den Drachenwerkstatt Gehilfen besorgt.
 
 

Drachentypen
von Hermann Elias.

In Gebrauch war ferner noch ein Hargrave - Drachen, Konstruktion Marvin, der sich nicht wesentlich von dein zuletzt beschriebenen Typ unterscheidet.  Er hat ebenso wie dieser in der Vorderzelle 3 Flächen, die aber nicht gekrümmt sind, und ist zum Zusammenlegen eingerichtet.  Gefesselt wird er an dem mittleren Verbindungsstab.


Abbildung Fig. 22
Malaiischer  und Hargrave Drachen

Der Eddy- oder Malayische Drachen (Fig. 22. hinter Nr. 2) fand nur in einer Größe Verwendung.  Wegen seines sehr geringen spezifischen Gewichtes fliegt er schon bei 3-4 in Wind und ist sogar im Stande, einen kleineren Hargrave - Drachen anzuheben und ihn in eine günstigere Luftströmung zu tragen.  Bei mehr als 10 m pro Sekunde wird er unstabil, da aber Hargraves schon bei 5 - 6 in leicht steigen, so würde er in sehr guter Weise die Lücke ausfüllen, die zwischen der Anwendung des Drachen - Ballons und des Hargrave - Drachens liegt, wenn nicht die selten fehlenden Ungleichmäßigkeiten der Windstärke in verschiedenen Höhen seine Verwendbarkeit stark beeinträchtigten.  Näheres darüber findet man später unter Dienst am Observatorium.
Seine Abmessungen sind: Länge 2 m, Breite 2 m, Gewicht ca. 1 kg, demnach spezifisches Gewicht 0,5 kg.

Außer diesen Arbeitsdrachen besitzt das Observatorium noch folgende Typen, mit denen Versuche angestellt wurden.
 



 
Abbildung Fig. 29
Lamson Drachen
Oberfläche 7 qm

Der Lamson - Drachen (Fig. 29), vielleicht der am besten und sorgfältigsten konstruierte nach allen Erfahrungen, die wir bis jetzt über den Luftwiderstand haben.  Er fliegt in ausgezeichneten Winkel bei sehr geringem Kabelzug.  Allerdings ist er sehr kostspielig und leicht beim Landen zu beschädigen, deswegen wird er sich wohl für den dauernden Gebrauch nicht einbürgern, so große Vorteile er auch sonst hat. Im Besitz des Observatoriums befinden sich 2 gleiche, der eine ist unter Lamson's  eigener Leitung gebaut, der andere ist eine hier angefertigte genaue Kopie.  Beide sind zusammenlegbar.

Abbildung Fig. 30
Zusammenlegbarer Hargrave Lamson Drachen
Oberfläche 5 qm

Zusammenlegbarer Hargrave - Lamson - Drachen (Fig.  3o).  Er soll die Vorteile des Lamson, gute Steigkraft und geringeren Stirnwiderstand mit denen des Hargrave, bequeme Handhabung, vereinigen.  Da er aber nur an dein mittleren Verbindungsstab gefesselt werden kann, so ist er lediglich für leichte Winde verwendbar, bei denen er sich allerdings auch sehr gut bewährt hat.  Mit ihm wurde zuerst der Versuch gemacht, den Apparat in den Drachen zu binden.


 
Abbildung Fig. 23
Treppendrachen, Hargravedrachen,
Runder Drachen

Der Treppendrachen (Fig. 23 im Hintergründe, links), System Köppen.  Derselbe bat den Vorzug, beide Tragflächen in gleicher Weise dem Winde entgegenzusetzen, so das keine in den Windschatten der anderen kommt, er ist deswegen besonders für leichte Winde geeignet.
Der runde Drachen (Knopp), (Fig. 23 im Vordergrunde), bat den Vorteil, dass er sich jederzeit leicht Nachspannen läßt und beim Aufschlagen seiner Form wegen schwer zerbricht; seines großen Gewichtes wegen ist er bis jetzt praktisch noch nicht verwendbar.
Der Diamant - Drachen (Teisserene de Bort), ein Starkwind - Drachen mit schwerer Steigkraft, aber guter Winkelhöhe, wurde schon früher vielfach in Amerika angewendet.

 

 
Dreiflächiger Hargrave Drachen mit Apparat und Anemometer
7 qm Oberfläche
 
 

 
Krummflächige Normaldrachen von 5 und 7 qm Oberfläche.